„Bei jedem Streit ziehe die Versöhnung selbst dem kleinsten Siege vor.“
(1742 – 1799)
Was ist Mediation?
Mediation ist ein Verfahren der gewaltfreien Konfliktbearbeitung, mit dessen Hilfe Konfliktparteien selbst in schwierigen Streitfällen zu einer einvernehmlichen Lösung finden können.
Eine oder mehrere vermittelnde, neutrale Person/Personen ermöglicht/ermöglichen es den Streitparteien, miteinander in ein konstruktives Gespräch zu kommen, einander zuzuhören, die Hintergründe zu verstehen und eine Lösung zu erarbeiten, mit der sich alle Beteiligten identifizieren können.
Die Mediatoren/innen sind weder Schiedsrichter/innen, Berater/innen oder Therapeuten/innen, noch haben sie Interesse an einem bestimmten Konfliktausgang – sie sind Klärungshelfer/innen, d. h. der Konflikt und dessen Lösung bleiben in den Händen der Streitparteien.
Häufig genügt/genügen ein bis zwei Mediationsgespräche, um eine Lösung zu finden.
Für wen ist Mediation?
Mediation findet in den verschiedensten Bereichen Anwendung:
- Ehekonflikte und Scheidungsangelegenheiten (Familienmediation)
- Erbschaftsauseinandersetzungen
- Nachbarschaftsstreit und Mietkonflikte
- Zivilklagen
- Team-/Arbeitskonflikte und Konflikte in Organisationen (Wirtschaftsmediation)
- Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern/innen
- Straftaten (Täter-Opfer-Ausgleich)
- Umweltkonflikte und (großtechnische) Bauvorhaben
- Politik allgemein und Auseinandersetzungen in sozialen und politischen Basisgruppen
- Schulen und Jugendeinrichtungen
Was sind die Grundgedanken der Mediation?
- über die konkrete Streitbeilegung hinaus sollen die Menschen konfliktfähiger werden, Konflikte gehören zum Leben und dürfen nicht nur als Gefahr oder Bedrohung gesehen werden, sondern auch als Chance bzw. Ausgangspunkt für die Veränderung verfestigter Beziehungs- und Verhaltensmuster
- Übernahme von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung als Folge der Teilhabe am Konfliktlösungsprozess
- Gewaltfreiheit
Was sind die Merkmale einer Mediation?
- die Vermittlung erfolgt durch unparteiische Dritte
- das Verfahren ist informell und außergerichtlich
- es werden alle Konfliktbeteiligten einbezogen
- die Teilnahme ist freiwillig und konsensorientiert
Wie läuft Mediation ab?
Das Konzept der Mediation ist eingeteilt in drei Phasen:
- Vorphase
- Mediationsgespräch
- Umsetzungsphase
Was sind die Vorteile einer Mediation?
- „Win-Win-Lösung“, d. h. alle Beteiligten profitieren
- Fairness
- Vertraulichkeit
- Effektivität im Sinne einer schnellen und kostengünstigen Lösung
- Einbeziehung aller Konfliktparteien
- keine Öffentlichkeit bzw. kein öffentlicher „Gesichtsverlust“
- Identifikation mit dem Ergebnis
- Beschränkung auf das Wesentliche, d. h. der Konflikt „ufert“ nicht aus
- die Konfliktparteien bestimmen die Themen
- aktives Gestalten des Gespräches
- Verständnis herstellen
- die Menschen werden konfliktfähiger
Die zehn Grundsätze der Mediation
gemäß Bundesverband Mediation e. V.
(1) Menschenbild:
In jedem Menschen ist das Potential zum Umgang mit eigenen und zur Lösung eigener Konflikte/n vorhanden. Mediatoren/innen vertrauen in ihre und die Kompetenz der Parteien zur kreativen Gestaltung und Verständigung im Konflikt. Sie anerkennen die Autonomie jedes/jeder Beteiligten, respektieren die Einzigartigkeit eines/einer jeden und gleichzeitig die Vielfalt der Unterschiede, in denen sie ein besonderes Potential sehen.
(2) Verantwortung:
Mediatoren/innen respektieren und fördern die Selbstverantwortlichkeit aller Beteiligten. Sie sind sich ihrer Verantwortung für den geschützten Rahmen bewusst, der den Konfliktparteien das „Sicheinlassen“ auf den Prozess der Lösungssuche ermöglicht und ermutigen sie, die Verantwortung für den von ihnen eingebrachten Inhalt und die erarbeiteten Vereinbarungen zu übernehmen.
(3) Geschützter Rahmen:
Mediatoren/innen schaffen und wahren den geschützten Rahmen, der den Konfliktparteien ermöglicht, sich auf den Prozess der Lösungssuche einzulassen und der Gewalt ausschließt.
(4) Allparteilichkeit und Fairness:
Mediatoren/innen nehmen die Bedürfnisse und Interessen aller Konfliktparteien mit gleichem Respekt wahr. Sie achten auf Machtunterschiede und geben jeder Partei die Zeit, ihren Sachverhalt vollständig darzustellen. Sie stellen sicher, dass jede Konfliktpartei sich ihrer eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar werden kann.
(5) Offenheit:
Mediatoren/innen sind ruhig und aufmerksam und ermutigen die Streitparteien zu offener und direkter Aussprache, zu gegenseitiger Toleranz und Wertschätzung.
(6) Einfühlung und Ermutigung der Konfliktparteien:
Mediatoren/innen fühlen sich in die Konfliktparteien ein und achten das gesamte Spektrum der Gefühle aller Beteiligten. Sie fördern die gegenseitige Einfühlung der Konfliktparteien und ermutigen sie, ihren Konflikt gemeinsam auszutragen.
(7) Vertraulichkeit und Vertrauen:
Alles, was Mediatoren/innen in der Mediation erfahren, behandeln sie respektvoll und vertraulich. Sie vereinbaren mit den Konfliktparteien, dass sie niemals Tatsachen benennen werden, die ihnen im Verlaufe des Mediationsverfahrens bekannt geworden sind. Durch ihre Integrität und Aufrichtigkeit stärken sie das Vertrauen der Konfliktparteien in das Verfahren und die Erreichbarkeit einer Lösung für ihren Konflikt.
(8) Freiwilligkeit:
Mediatoren/innen gewährleisten die freiwillige Teilnahme aller Konfliktparteien an der Mediation, indem sie die Konfliktparteien vollständig über das Verfahren der Mediation informieren und sie auf dessen Möglichkeiten und Grenzen hinweisen.
(9) Verhalten der Mediatoren/innen im Konflikt:
Mediatoren/innen sind bereit, Kritik entgegenzunehmen und im eigenen Konflikt diesen in einer Mediation zu bearbeiten.
(10) Professionalität:
Mediatoren/innen verpflichten sich, durch sorgfältige Vorbereitung die Interessen der Konfliktparteien bestmöglich zu wahren. Wenn sie erkennen, dass eine parteiliche Beratung für die Konfliktparteien nötig wäre, weisen sie darauf hin und ermutigen sie, diese für sich in Anspruch zu nehmen. Erkennen Mediatoren/innen, dass ihre Allparteilichkeit nicht mehr gewährleistet ist, verpflichten sie sich, die Mediation an Kollegen/innen weiterzuleiten.